Was sagt die Bibel zum Thema Familie? - Rückblick Familiengottesdienst

Oft wird – insbesondere jungen Menschen - die Frage gestellt „Hast du Familie?“ Man meint damit: Bis du verheiratet und hast Du Kinder?

Die Frage suggeriert, Familie sind da, wo Kinder sind, er rückt die Nachkommen in den Blick. Dieser Blick macht die familienlos, die keine Nachkommen haben.

Deshalb möchten wir mit einem Blick in die Bibel zum Thema „Was sagt die Bibel zur Familie“ Gedankenanstöße geben, wie Menschen unter den damaligen Verhältnissen als Familie lebten und welche Grundorientierung Jesu dazu gab.

Das hebräische Wort für Familie meint sowohl das Haus als auch die Menschen, die darin leben. Zu biblischer Zeit wohnten meist mehrere Generationen zusammen, auch Sklaven gehörten dazu. Die Familie war die kleinste rechtliche und soziale Einheit, der der Hausvater als Familienoberhaupt vorstand. Er galt als Versorger und Beschützer. Zur Familie gehörte auch das Erbland, das es zu erhalten galt.

Um uns das zu vergegenwärtigen, betrachten wir vier ausgewählte biblische Darstellungen aus dem Alten Testament und eine aus dem Neuen Testament.

Die erste Familie, die in der Bibel erwähnt wird, ist bekanntlich Adam und Eva mit Ihren Söhnen Kain und Abel (1. Mose 4/ 3ff). Harmonie und Familie – dieser Zusammenhang ist nicht zwingend. Schon die allererste Familie der Menschheit litt unter ziemlichen Problemen und Aggressionen. Kain brachte Abel um – ein Brudermord, wie er im Buche steht. Das Motiv war Neid.

Eine weitere uns bekannte Familie ist Noahs Familie. Als Gott "sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte." (1. Mose 6/ 5-6), und er beschloss, alle Menschen und Tiere durch eine große Flut zu vernichten. Nur Noah "fand Gnade vor dem Herrn" (1. Mose 6/ 8). Gott wies ihn an, eine Arche zu bauen (1. Mose 6/ 14-16). Noah und seine Familie sowie jede Tierart überlebte die Sintflut. Gott segnete Noah und seine Söhne und forderte sie auf, viele Familien zu gründen (1. Mose 9/ 1).  Daraus können wir schlussfolgern, dass Familienzusammenhalt das Durchstehen/ Überleben von katastrophalen Verhältnissen ermöglicht. Dafür ist die Geschichte des Noah und seiner Familie ein Symbol.

Eine weitere biblische Familie sind die Zwillinge Esau und Jakob mit Ihren Eltern Isaak und Rebekka (1. Mose 25/ 19ff). Die Zwillinge waren sehr unterschiedlich. Esau, der Liebling des Vaters, ein Jäger, der über die Felder zog, und Jakob, der Liebling der Mutter, ein "gesitteter Mann", der lieber bei den Zelten blieb. Der Streit zwischen den beiden Zwillingen hatte schon im Mutterleib begonnen: Jakob hielt Esau an der Ferse fest, so als wolle er verhindern, dass Esau zuerst das Licht der Welt erblickt.

Jakob luchste seinem Bruder Esau den Erstgeburtssegen mit List ab (1. Mose 27/ 1 ff) – Grund genug für einen jahrelangen Brüderzwist. Doch statt zum Eklat kommt es nach Jahren zur tränenreichen Aussöhnung (1. Mose 33/ 1ff).

An diesen beispielhaft dargestellten biblischen Geschichten wird deutlich, dass nicht Liebe sondern Existenzsicherung im Vordergrund standen. Die Familien waren patriarchal und polygam organisiert. Es drehte sich vor allem um die Nachwuchssicherung und damit um den Fortbestand der Familien.

Eine Neuorientierung im Zusammenleben finden wir in den Geboten, die Mose auf dem Berg Gottes empfing (2. Mose 20/ 12, 14, 17). Diese drei Gebote schützen die Familie gleich auf mehrfache Weise und fordern Verantwortungsbereitschaft.

Die Forderung, Vater und Mutter zu ehren, schützt die Beziehung zur älteren Generation. Das Ehebruchverbot setzt sich für eine verbindliche Beziehung zwischen den Ehepartnern ein. Das Verbot, etwas zur Familie eines anderen Gehöriges zu begehren, schützt die eigene wie die fremde Familie vor Übergriffen.

Die Familie als kleinstes soziales Gefüge wurde also auch damals sehr geschätzt.

Im Neuen Testament berichten die drei Evangelisten Matthäus (12/ 46ff), Markus (3/ 31ff) und Lukas (8/ 19ff) trotz ihrer unterschiedlichen Blickwinkel von einer Begebenheit mit Jesu inhaltlich identisch:  

Matthäus 12:  46 Als er noch zu dem Volk redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden. 47 Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden. 48 Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? 49 Und er streckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! 50 Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.

Überrascht uns diese Aussage Jesu? Ja, weil wir ihn aus anderen Begebenheiten ganz anders kennen! Aber können wir Jesu Aussage nicht auch so verstehen, dass

  • Jesu mit seiner Bindung an seinen eigentlichen – den himmlischen – Vater alle anderen Beziehungen relativiert,
  • Jesu Aussage uns den Blick für ungewöhnliche, aber nicht unnatürliche familiäre Strukturen, Gemeinschaftsformen öffnet, in denen Menschen durch einen Lebensstil und ein Lebensziel verbunden sind,
  • Jesu zu Lebensformen, die Verlässlichkeit und Beheimatung bieten, ermutigt.

Zusammenfassend betrachtet, ist die Vielfalt der biblischen Lebensgemeinschaften nicht zu übersehen. Wohl aber kann eine Norm für alle Zusammenlebensformen abgeleitet werden. Sie erschließt sich aus dem Gebot, Witwen und Waisen, Fremde und Alte zu schützen und aufzunehmen und Vater und Mutter zu ehren.

Es geht um Gerechtigkeit, Loyalität, Solidarität und Ehrerbietung im Sinne von Achtung und Respekt. Diese Haltung gilt für jede Form des Zusammenlebens, damals wie heute.

„Familie ist da, wo Menschen dauerhaft und generationenübergreifend persönlich füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen.“

Alfred Buß, deutscher evangelischer Theologe

Quellen:

Lutherbibel 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

https://www.evangelisch.de/inhalte/74855/19-06-2013/bibelserie-wer-ist-meine-mutter-und-wer-sind-meine-brueder

http://www.lippische-landeskirche.de/daten/Familie%20biblisch%20Lippische%20Synode.pdf