„...weil die lieben Engelein selber Musikanten sein.“

Die traditionelle „Lange Nacht der Hausmusik“ zur Eröffnung der Thüringer Bachwochen nutzte die Gemeinde Ilmenau erneut mit einem gut besuchten Konzert für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die Richtigkeit des oben erwähnten Lutherzitats wurde gleich zu Beginn vom Kinderchor der Gemeinde eindrucksvoll bestätigt. „Liebe das Leben ­und das Leben liebt dich! “Schwungvoll und souverän sorgten die kleinen Musikanten für einen fröhlichen, aber auch besinnlichen Einstieg: „Verändern und bleiben; verschließen,­ sich zeigen; streiten, versöhnen; hoffen,­ aufgeben; sterben und leben – alles hat seine Zeit.“ (Text u. Musik: Kurt Mikula)

Im zweiten Beitrag der Kinder wurde der „kleine Wassertropfen“ (Verf.: Andreas Hantke) lautmalerisch gekonnt dargeboten. Man konnte den Tropfen tropfen hören: ph, ph... und auch das Meer rausch...schte enorm.

Nachdem die Nachwuchssänger/innen so in bewährter Weise das Eis gebrochen hatten, begrüßte José Hasselman­-Jacobs Zuhörer und Aktive und machte die Anwesenden mit Thema und Anliegen des Abends bekannt: Aktives Musizieren, vokal und instrumental, in einem eher privaten Rahmen, mit Johann Sebastian Bach im Mittelpunkt und etlichem Hörenswerten „Drumherum“. Zu diesem Drumherum gehörte auch die Moderation selbst, in der den Zuhörern viel Wissenswertes und interessante Hintergrundinformationen vermittelt wurden (unter anderem der eingangs erwähnte Ausspruch Martin Luthers).

Es folgte der Vortrag des Gemeindechores „Lob', Ehr und Dank sei Gott, dem Vater“ aus dem Magnificat D­-Dur, BWV 243 mit dem deutschen Text von Hermann Ober, an der Orgel begleitet von Lars Dittrich. Marcel Krüger spielte Praeludium und Fuge e­moll BWV 555 und begleitete danach Anton Krämer bei dem Lied „Liebster Herr Jesu! Wo bleibst du so lange?“ aus Schemellis Gesangbuch. Im Anschluss erklang das Quartett für Flöte, Violine, Viola und Violoncello C-­Dur mit den Sätzen Allegro und Rondo grazioso von Johann Christian Bach. Es musizierten Werner Assing (Querflöte), Anja Müller (Violine), Frank Müller (Viola) und Steffen Förster (Cello).

Lelia und Emilio Weyh machten mit ihrem Gitarrenduett „Linestead Market“ eindrucksvoll deutlich, dass sich die Gemeinde um ihren musikalischen Nachwuchs nicht zu sorgen braucht. Emilio unterstrich das zusätzlich mit einer solistisch und äußerst „cool“ dargebotenen Rumba. Es folgte „The river flows in you“, eine leise, meditative Musik des südkoreanischen Komponisten Yiruma, am E­-Piano gespielt von Robert Bock.

Hausmusik im besten Wortsinn steuerten Carola und Herbert Müller mit ihren Gesangsbeiträgen „Wie lieblich ist der Maien“ von Martin Behm und dem berühmten „Abendlied“ von Matthias Claudius „Der Mond ist aufgegangen“ bei. Herbert Müller begleitete mit der Gitarre.

Vor der Pause waren alle Anwesenden aufgefordert, Bachs „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ aus der Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ (BWV 147) gemeinsam zu singen. Frank Müller sorgte für die korrekten Einsätze, Lars Dittrich an der Orgel für die wundervollen und bekannten Bach'schen Triolen.

Nach der Pause, die für einen lebhaften Gedankenaustausch genutzt wurde (und in der dank der „guten Geister“ um Waltraud Müller auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kam), stellte Frank Müller mit „Erbauliche Gedanken eines Tabakrauchers“, 1704 für das „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“ verfasst, tiefgründige und nichtsdestoweniger augenzwinkernde Betrachtungen über die Vergleichbarkeit verglimmenden „Knasters“ mit der menschlichen Vergänglichkeit an. Eine Kostprobe:

Die Pfeife pflegt man nicht zu färben,
sie bleibet weiß. Also der Schluß,
daß ich auch dermaleinst im Sterben
dem Leibe nach erblassen muß.
Im Grabe wird der Körper auch
so schwarz wie sie nach langem Brauch.

So ging das über sechs(!) Verse! Wahrhaft erbaulich... Der „Moritatensänger“ wurde an der Orgel begleitet von Lars Dittrich. Carl Philipp Emanuel Bachs 1. Satz Adagio aus der Flötensonate e­-moll war der nächste Programmpunkt. Querflöte: Werner Assing, Orgel: Marcel Krüger. Im Anschluss ein weiterer Höhepunkt, vom Publikum zu Recht mit lang anhaltendem Applaus belohnt: Am Klavier begleitet von ihrem Vater Torsten spielte die 10-jährige Violinistin Jessica Maaß die Aria Nr. 9 G­-Dur für Violine und Klavier von Leopold Mozart.

Es folgten noch einmal Werner Assing und Marcel Krüger mit Menuetto I und Menuetto II aus der Sonate Nr. 2 in C­-Dur für Flöte und Continuo, BWV 1033 von J. S. Bach. Der Gemeindechor kam mit Händels „Herr, unser Gott, dich loben wir“ zum zweiten Mal zu Wort. Marcel Krüger spielte die Orgelbegleitung.

Mit Auszügen aus der Orchestersuite h­-moll BWV 1067 1. Rondeau, 2. Sarabande, 3. Menuett wusste erneut das Streichertrio mit Werner Assing an der Querflöte zu überzeugen. Besonders bei der Sarabande dachte man nicht mehr an Hausmusik... Es folgte die Schlussmoderation und Abschiedsworte von José Hasselman­-Jacobs, die den letzten solistischen Beitrag des Abends mit dem Ausspruch Senecas ankündigte, der auf der Stirnseite des ersten Leipziger Gewandhauses zu lesen war:

„Res severa verum gaudium ­ - Wahre Freude ist eine ernste Sache“

Bevor Aktive und Zuhörer den Abend mit dem gemeinsam gesungenen Gebet „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ (GB 325) beschlossen, setzte Lars Dittrich, der auch das Programm des Abends zusammengestellt hatte, mit dem Choralvorspiel BWV 731 „Liebster Jesu, wir sind hier“ einen leisen und innigen Schlussakkord, der noch einmal zu Luther zurückführte:

Wer sich die Musik erkiest,
hat ein himmlisch Werk gewonnen;
denn ihr erster Ursprung ist
von dem Himmel selbst genommen,
weil die lieben Engelein
selber Musikanten sein.

TOK/H.R.