Gottesdienst für Entschlafene

Am Sonntagvormittag waren die Apostel Mitteldeutschlands im thüringischen Ilmenau versammelt, um den Entschlafenengottesdienst mit Bezirksapostel Wilfried Klingler zu erleben. Doch dieser war kurzfristig verhindert. So übernahm Apostel Rolf Wosnitzka die Durchführung des Gottesdienstes.

Der Apostel legte dem Gottesdienst das Bibelwort Kolosser 1, 21-23 zugrunde:

„Auch euch, die ihr einst fremd und feindlich gesinnt wart in bösen Werken, hat er nun versöhnt durch den Tod seines sterblichen Leibes, damit er euch heilig und untadelig und makellos vor sein Angesicht stelle; wenn ihr nur bleibt im Glauben, gegründet und fest, und nicht weicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt und das gepredigt ist allen Geschöpfen unter dem Himmel. Sein Diener bin ich, Paulus, geworden.“

Apostel Wosnitzka begann sein Dienen, indem er zwei Aspekte des Gottesdienstes für Entschlafene vorstellte. In jedem Gottesdienst für die Entschlafenen wird das Heil in Jesu Christi auch in der jenseitigen Welt angeboten und dort, wo der Bezirksapostel wirkt, wird dieses Heil durch die Spendung der drei Sakramente sichtbar vermittelt.

Die Kirche Christi besteht aus der sichtbaren und der unsichtbaren Gemeinde. Erstere ist real, weil sichtbar, aber auch die unsichtbare existiert, so der Apostel. Wie sich die Gemeinde im Diesseits gestaltet, sehen wir. Aber wie mag sie sich im Jenseits gestalten? Diejenigen aus dem Kreis der Gläubigen müssen nicht mehr glauben, dass es ein Weiterleben nach dem Tod gibt, sie erleben es. Doch die Tatsache, dass es ein Leben nach dem Tode gibt, ist nicht alleinige Grundlage unseres Glaubens. Dieser gründet auf dem Evangelium Jesu Christi, das für uns vollkommene Wahrheit ist. Er gründet auch darauf, dass Jesus Christus für alle Menschen das Opfer gebracht hat – er ist am Kreuz gestorben, auferstanden, gen Himmel gefahren. Und er wird wiederkommen!

Ebenso ist es unser Glaube, dass wir in den empfangenen Sakramenten Gemeinschaft mit Jesus Christus haben und dass uns daraus Kraft zukommt. Das Gleiche gilt für die Seelen im jenseitigen Bereich. Auch sie können – wenn auch als Fremde oder feindlich Gesinnte hinübergezogen – teilhaben an der Wirksamkeit des Opfers Christi und Heil erlangen.

„Wer sind nun diese Fremden?“, bezog sich der Apostel auf das Bibelwort. Fremde sind die, die auf Erden keine Gelegenheit hatten, mit Jesus Christus in Kontakt zu kommen oder auch nie Kenntnis von Gott erfahren haben. Fremde sind auch die, denen sich das Wort Gottes nicht eröffnet, die es nicht verstehen.

Feindlich Gesinnte gab es zu jeder Zeit und gibt es auch heute viele. Auch für diese hält Gott sein Heil bereit. Darin können wir die Größe der Liebe Gottes erahnen, die mit menschlichem Maßstab nicht zu ermessen ist.

Unsere Aufgabe ist es, so der Apostel, das Evangelium zu verkünden, auch denen, die uns fremd oder sogar feindlich gesinnt sind. Ihnen sollen wir den Weg zeigen, den Weg, der durch Jesus Christus verkörpert wird. Wir sollen Zeuge sein, von dem, was in uns lebt, was wir erfahren haben. Es ist auch unsere Aufgabe, den Nächsten so zu lieben, wie er ist. Auch die schon in Christus Hinübergezogenen können Zeuge sein.

Apostel Burchard stellte in seinem Dienen das besondere Verhältnis des Einzelnen zur Ewigkeit in den Mittelpunkt. Ein jeder hat Freunde, Familienangehörige oder Glaubensgeschwister am anderen Ufer, so führte der Apostel bildhaft aus, zu denen man doch ein besonderes Näheverhältnis hat. Wenn wir mit unseren Lieben an die Seite Jesu Christi treten, dann ist auch mal eine Anstrengung nötig, um dadurch Menschen in Verstrickungen den Weg zum Heil zu weisen. Möchten wir doch mit unserer Seele arbeiten – so können wir Jesus nicht nur formal, sondern aus dem Herzen heraus helfen.

Apostel Bimberg nahm Bezug auf das Bibelwort und erklärte, was es heißt, das Gute zu wählen, nämlich das Heilsangebot Gottes anzunehmen. Wir wollen nicht urteilen über die, die das Heilsangebot bisher nicht angenommen haben. „Wer nicht das Heil hat, dem soll es angeboten werden“, so betonte der Apostel. Auch Jesus ging nach seinem Kreuzestod nicht zu Abraham oder Moses oder den Propheten, um den Sieg zu feiern, sondern zu denen, die zu Noahs Zeiten nicht glauben konnten, und predigte ihnen das Heil.

Vor dem Heiligen Abendmahl ging Apostel Wosnitzka nochmals auf die Begriffe „fremd“ und „feindlich gesinnt“ ein. Fremd ist uns der, dessen Ansicht wir nicht teilen oder der uns in seiner Art nicht zusagt. Als fremd bezeichnen wir oft auch die, die uns nicht so recht sympathisch sind, und auch die, deren Handlungsweise wir nicht verstehen.
Wen definieren wir als „feindlich gesinnt“? Das kann jemand sein, der uns etwas sagt, was wir gar nicht hören wollen, und von dem wir meinen, er hätte nicht das Recht dazu.
Wir, die wir Gottes Liebe in der Sündenvergebung und im Heiligen Abendmahl in einer Dimension und Tiefe erfahren, die wir nicht erfassen und beschreiben können, sollen dadurch Zeuge sein, indem wir niemanden ausgrenzen.

Allen gilt die Liebe Gottes!

T.T./H.R.