Erste Freundin, große Liebe – 50 Jahre getragen von einer Freude, die bleibt

Ein Spaziergang nach einer Bezirkschorprobe, eine erstaunlich frühe Entscheidung und ein gemeinsames Leben im Dienst des Glaubens und der Musik. Werner und Evi Alfaenger empfingen in Ilmenau den Segen zu ihrer Goldenen Hochzeit. Den Festgottesdienst hielt Bezirksältester Thomas Cramer, ein langjähriger Freund des Jubelpaares und designierter Bischof für den Apostelbereich Mitte-Süd und Polen.

Es gibt Liebesgeschichten, die mit langen Briefen oder vielen vorsichtigen Begegnungen beginnen. Bei Werner und Evi Alfaenger war es – wie sollte es anders sein – die Musik.

Nach einer Bezirkschorprobe machten beide einen gemeinsamen Spaziergang. Während Evi vermutlich noch ganz unbefangen den Weg genoss, war Werner gedanklich bereits einige Schritte weiter. Für ihn stand fest: „Das wird meine Frau. Die heirate ich.“

Man könnte sagen: musikalisch sicher, in Herzensangelegenheiten entschlossen und offenbar ohne Bedarf für eine zweite Probe. Bis heute erzählt Werner gern, dass er seine erste und einzige Freundin geheiratet habe. Aus diesem einen Spaziergang wurde ein gemeinsamer Weg, der nun seit fünfzig Jahren trägt.

Freude, die nicht von den Umständen abhängt

Den Festgottesdienst hielt Bezirksältester Thomas Cramer, der den Kirchenbezirk Leipzig leitet und in Kürze zum Bischof für den Apostelbereich Mitte-Süd und Polen enannt wird. Dass ein Amtsträger aus einem anderen Apostelbereich in Ilmenau dient, ist außergewöhnlich. Doch genau das hatte sich das Goldene Brautpaar gewünscht. Werner und Evi verbindet mit Thomas Cramer eine langjährige, herzliche Freundschaft. Sein Dienst war deshalb nicht nur eine besondere Ehre, sondern ein sehr persönliches Zeichen der Verbundenheit.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das Wort aus Philipper 4,4:

„Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!“

Bezirksältester Cramer erinnerte daran, unter welchen Umständen Paulus diese Worte schrieb: Er befand sich im Gefängnis. Seine äußere Situation war bedrückend und alles andere als erfreulich. Und dennoch sprach er von Freude.

Diese Freude entstand nicht aus angenehmen Lebensumständen. Sie hatte ihren Ursprung in seiner Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus. Ist diese Beziehung lebendig und tragfähig, verlieren viele andere Dinge ihre letzte Macht über den Menschen. Selbst das, was man besitzt, plant oder vielleicht eines Tages verliert, wird im Vergleich dazu zur Nebensache.

Der Gedanke des Gottesdienstes lautete deshalb: Besinne dich auf deinen Erlöser. Gott, dein Heiland, ist über dir – und er ist zugleich unter dir und trägt dich.

Der Glaube ist wie eine Leitplanke im Leben. Er nimmt einem nicht jede Kurve und verhindert nicht jeden steinigen Weg. Aber er gibt Halt, bewahrt vor dem Abkommen und schenkt Orientierung. Deshalb ist Freude auch dann möglich, wenn das Leben gerade keinen Grund zum Jubeln zu bieten scheint.

Auch Sorgen dürfen vor Gott gebracht werden – manchmal ganz still und ohne viele Worte. Und bisweilen öffnen sich gerade dann Türen, an die man selbst noch überhaupt nicht gedacht hatte.

Einander dienen – ein Geheimnis langer Gemeinschaft

Zu einer tragfähigen Beziehung gehört nach den Gedanken des Gottesdienstes auch, den Egoismus immer wieder abzulegen. „Dienet einander“ – dieser christliche Auftrag gilt nicht nur für die Gemeinde, sondern ganz besonders für eine Ehe.

In einer Partnerschaft kann nicht dauerhaft jeder nur auf das Eigene sehen. Einmal trägt der eine, einmal die andere. Einmal hört man zu, einmal spricht man Mut zu. Und manchmal besteht Liebe vielleicht auch darin, freundlich darüber hinwegzusehen, dass eine Chorprobe wieder etwas länger gedauert hat als angekündigt.

Werner und Evi haben einander über fünf Jahrzehnte begleitet, gestützt und gedient. Ihre Ehe zeigt, dass Liebe nicht allein im großen Gefühl des Anfangs besteht. Sie lebt vor allem im täglichen Ja zueinander – in der Bereitschaft, füreinander da zu sein, sich gegenseitig Raum zu geben und gemeinsam am Glauben festzuhalten.

Ein Leben für die Kirche und die Musik

Jahrzehntelang waren Werner und Evi Alfaenger in der Verwaltung der Neuapostolischen Kirche tätig, insbesondere in Dresden und später in Taucha. Ihre Arbeit war geprägt von Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und einer tiefen Verbundenheit zu den Menschen.

Nach der Fusion der Gebietskirchen Mitteldeutschland und Norddeutschland gingen beide in den wohlverdienten Ruhestand. Wobei „Ruhestand“ bei Werner zumindest musikalisch eher als unverbindliche Empfehlung verstanden werden darf.

Beide sind weit über einzelne Gemeinden und Kirchenbezirke hinaus bekannt und geschätzt. Besonders Werner hat als Schulungsdirigent und engagierter Musiker zahlreiche Sängerinnen, Sänger und Chöre begleitet und geprägt. Er wirkte im Zentralchor und Orchester Sachsen/Thüringen mit und engagiert sich im Bachchor Ilmenau. Wo musikalische Hilfe gebraucht wird, ist Werner zur Stelle – häufig vermutlich noch bevor andere überhaupt bemerkt haben, dass Unterstützung nötig ist.

Dabei stand und steht Evi verlässlich an seiner Seite. Gemeinsam waren beide über Jahrzehnte ein starkes Team – in der Kirche, im Berufsleben und vor allem in ihrer Ehe.

Ihr Weg war nicht immer leicht. Sie haben auch Enttäuschungen und unangenehme Erfahrungen kennengelernt. Doch sie ließen sich davon nie dauerhaft den Blick auf das Gute nehmen. Es blieb ihnen wichtig, nicht nur das Schwierige zu sehen, sondern ebenso das "Großartige" und manchmal fast "Unwahrscheinliche", das Gott in ein Leben legen kann.

Nun empfingen Werner und Evi in Ilmenau den Segen zu ihrer Goldenen Hochzeit. Es war ein bewegender Augenblick voller Dankbarkeit: für eine Liebe, die geblieben ist, für einen Glauben, der getragen hat, für treue Freundschaften und für ein gemeinsames Leben voller Musik.

Aus einem Spaziergang nach einer Chorprobe wurde eine Ehe. Aus Werners früher Gewissheit wurden fünfzig gemeinsame Jahre. Und aus seiner ersten Freundin wurde tatsächlich seine einzige.

Über diesem besonderen Lebensweg steht bis heute derselbe Grundton:

„Freut euch im Herrn allezeit!“